by isaforster

Hochsensibel oder Burnout?

Juli 8, 2025 | Hochsensibilität, Stressbewältigung

Wie du Hochsensibilität von einem Burnout unterscheiden kannst

In diesem Artikel zeige ich dir, woran du Anzeichen einer Hochsensibilität erkennen kannst oder ob es sich eher um Symptome eines Burnouts (oder Vorstufen davon) handelt.

Fühlst du dich oft erschöpft - auch ohne großen Anlass?
Ziehen dich Gespräche, Geräusche oder Menschenmengen schnell runter?
Hast du manchmal das Gefühl einfach nicht belastbar zu sein?

Viele Menschen, die so empfinden fragen sich irgendwann:
Was stimmt denn mit mir nicht?

Die Frage, die sie sich besser stellen sollten lautet:
Bin ich hochsensibel oder bin ich auf dem Weg zum Burnout?

Beides fühlt sich nach Überforderung, Rückzug und innerer Erschöpfung an.

Doch sie haben unterschiedliche Ursachen - und brauchen daher eine unterschiedliche Vorgehensweise.

Frau mit Reizüberflutung in Menschenmenge – Symbolbild für Hochsensibilität oder Burnout erkennen

Reizüberflutung in Alltagssituationen

Warum wird Hochsensibilität mit Burnout verwechselt?

Wenn du auf die Symptome von Burnout und Hochsensibilität schaust, kannst du viele Gemeinsamkeiten erkennen. Aber wieso sind die Anzeichen so ähnlich?

In beiden Fällen sind Menschen nahe an ihrer Belastungsgrenze - der Grund für die Belastung ist aber unterschiedlich. Von außen betrachtet reagiert der Körper daher ähnlich bis gleich.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Anzeichen einer Überlastung durch Hochsensibilität fälschlicherweise als Burnoutsymptome gedeutet werden.

Beides zeigt sich durch:

Anzeichen

Beschreibung

Reizüberflutung

Licht, Geräusche, soziale Interaktionen werden als "zu viel" wahrgenommen

Erschöpfung

Starke Müdigkeit, Rückzugsbedürfnis

Grübeln

Gedankenkreisen, Zukunftsängste, Selbstzweifel

Soziale Überforderung 

Kontakt mit Menschen strengt an, Wunsch nach allein sein

Körperreaktion

Nervosität, Schlafprobleme, Druckgefühle, vegetative Symptome

Reizbarkeit

Kurze Zündschnur, Wutausbrüche, Dünnhäutigkeit

Selbstabwertung

"Ich bin nicht belastbar", "Ich halte das nicht aus"

Wenn du also rein auf die Symptome schaust, ist es zunächst unklar, ob es sich dabei um einen Burnout handelt oder ob es eher Symptome einer Hochsensibilität sind.

Daher braucht es eine konkretere Betrachtung:

Was ist Hochsensibilität?

Hochsensible Menschen haben ein fein justiertes Nervensystem. In der Wissenschaft wird von SPS gesprochen (Sensory Processing Sensitivity).

Diese Menschen nehmen Reize - das bedeutet Geräusche, Gerüche, Stimmungen, Helligkeit, soziale Spannungen und andere Dinge - intensiver wahr als andere Menschen. Auch die eigenen Gedanken und Gefühle werden intensiver und tiefer durchlebt. Das bedeutet, das eigene Nervensystem nimmt sehr viel wahr und braucht daher auch viel Kapazität, um die Reize zu verarbeiten. Ein hochsensibler Mensch hat also alle Hände voll damit zu tun, mit den ganzen Wahrnehmungen umzugehen - und einfach abschalten kann man das nicht.

Das kann dazu führen, dass das Nervensystem schnell an seine Grenzen kommt - nicht, weil es "zu empfindlich" ist, sondern einfach, weil es sehr viel wahrnehmen kann.

Hochsensible Menschen reagieren auf Reize also intensiver als andere.

Typische Sätze sind: "Riechst du das auch?", "Mir läuft es wieder kalt den Rücken runter", "Kannst du das Licht etwas runter drehen?", "Hast du auch die dicke Luft zwischen den Menschen gespürt?", "Ich habe wieder so ein komisches Gefühl".

Ständig so viel wahrnehmen zu können, fühlt sich manchmal wie Fluch und manchmal wie Segen an. Der Umgang mit der eigenen Feinfühligkeit ist daher essenziell, um einer Überforderung entgegenzuwirken. 

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. Es braucht vor allem Verständnis, Selbstregulation und passende Strategien im Alltag.

Licht ist eine Quelle für Reizüberflutung

Hochsensibler Mann mit Reizüberflutung durch Licht

Eine Überforderung durch beispielsweise zu viele Menschen, zu laute Musik oder zu hellem Licht kann dabei schnell wieder reguliert werden, indem der Reiz reduziert wird. Beispielsweise durch Rückzug in dunklere, leisere Räume. Das Nervensystem kann sich dann wieder beruhigen. Und genau das ist der Unterschied zwischen einer Überforderung durch Hochsensibilität und einem Burnout. Die Hochsensibilität kann selbst reguliert werden und geeignete Routinen, sowie Ressourcen können  eine  wirksame und rasche Verbesserung erzeugen.

Vielleicht hast du im Zusammenhang mit dem Nervensystem schon mal den Begriff des Energiehaushalts gehört - dem Gefühl der inneren Energie im Körper. Was in deinem Alltag "kostet" dich viel Energie und was "bringt" dir Energie?

Dazu ein Beispiel aus meinem Alltag: Mich kostet es viel Energie, wenn ich viele Menschen um mich herum habe. Dann fühle ich mich schnell leer und schlapp. Rückzug ist eine gute Möglichkeit, aber leider ist das nicht immer machbar mir schnell einen leeren Raum zu suchen. Daher nutze ich meine eigenen Ressourcen, um mich wieder mit Energie zu versorgen: Musik hören oder machen, meine Finger beschäftigen und meine Augen schließen. Das sorgt bei mir schnell für innere Ruhe. Damit lade ich mich wieder selbst etwas auf. Für mich ist der Garten auch ein wunderbarer Ruheort. Wenn ich vom "Schnippeln" im Garten zurück ins Haus gehe, bin ich wieder voll mit Energie für die nächsten Aufgaben im Alltag. 

Den eigenen Energiehaushalt zu kennen und mit geeigneten Ressourcen in Balance zu halten, ist daher ein zentraler Baustein im Umgang mit der eigenen Hochsensibilität. 

Daher sind Routinen im Alltag einwichtiger Schlüssel, um gut mit den eigenen Fähigkeiten umgehen zu können. Vor allem ist es das Verständnis der eigenen Trigger. Auf was genau reagierst du am meisten? Ab wann ist es für dich noch gut zu ertragen und ab wann nicht mehr?

Wichtig zu wissen:

Wird einer Hochsensibilität nicht mit geeigneten Routinen und Energieressourcen begegnet, kann die dauerhafte Überreizung des Nervensystems zu einem Burnout führen. 

Was ist ein Burnout?

Burnout ist keine Begabung, sondern die Folge einer emotional chronischen Überforderung.
Wer über Monate und Jahre hinweg die eigenen Grenzen überschreitet, sie ignoriert, sich emotional verausgabt und sich selbst keine Möglichkeit zu echter Erholung gibt, rutscht in eine Erschöpfung, die nicht mehr durch ein Wochenende Schlaf oder die eigenen Hobbys zu beheben ist.

Burnout zeigt sich oft durch

  • innere Leere - nichts macht dir mehr Freude
  • emotionale Abstumpfung - schönes und schlimmes erreicht dich nicht mehr
  • Schlafstörungen - du liegst nachts wach und kannst nicht (mehr) einschlafen
  • Konzentrationsproblemen - du brauchst gefühlte Stunden, um einen Satz zu lesen
  • kurze Zündschnur - dir wird schnell alles zu viel und du reagierst mit Wutausbrüchen oder mit weinen
  • und durch das Gefühl, dass "nichts mehr geht".
Leerer innerer Akku bei Burnout

Burnout bedeutet innerlich leer zu sein

Das bedeutet, dass ein Mensch, der emotional chronisch überlastet ist, sich nur noch bedingt selbst helfen kann. Es ist wie ein dunkles Loch, in das man fällt und in dem nahezu alles negativ ist. Lösungen sind schwer als solche zu erkennen, da fast alles gleich aussieht und gleich wirkt. Als würde man den Alltag nur noch in Grautönen und durch dumpfe Töne wahrnehmen.

Auch die eigenen Hobbys sorgen für keine Entlastung. Genauso wenig, wie ein Urlaub oder eine ordentliche Mütze Schlaf. Daher ist es für Betroffene so schwierig, hilfreiche und geeignete Aktivitäten oder Maßnahmen als solche erkennen zu können.

Auf die Frage "Was brauchst du denn, damit es dir besser geht?" können durch Burnout gefährdete Menschen nicht antworten. Häufig ist es ein Schulterzucken oder eine Antwort wie "Wenn ich das wüsste..".

Die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen fällt den Betroffenen daher schwer und der Alltag ändert sich daher selbstständig selten bis gar nicht. 

Die wichtigste Ressource bei Burnout: raus aus dem Alltag und rein in ein entsprechendes Burnout-Programm. Den Blick wieder auf sich selbst richten lernen.

Hochsensible Menschen blühen oft schon während oder spätestens nach einer Auszeit wieder auf – beim Burnout dagegen bleibt selbst die Pause leer. Egal, was du machst, nichts scheint zu helfen.

Und jetzt? Bist du hochsensibel oder kurz vor dem Burnout?

Stelle dir die folgenden Fragen:

  • Wie schnell kannst du dich emotional beruhigen? 
    • Bleibst du lange innerlich wütend und und denkst viel und intensiv an die dich aufregende Situation? Dein ganzer Körper spürt das, was dich so aufregt? Die Energie bleibt dabei lange bei dir und es gibt wenig, was das ändern könnte?
    • Oder kannst du eine Situation innerlich schnell(er) wieder loslassen, wenn du in der "richtigen" Umgebung bist? Was jemand gesagt hat oder wie er/sie sich verhalten hat, geht dir nicht mehr lange im Kopf herum, wenn du im Garten schnippelst, ein gutes Buch liest, spazieren gehst oder einfach mal das Licht dimmst und dich zurückziehen kannst?
  • Wie schnell kannst du sagen, was du gerade brauchst?
    • Weißt du sofort: "Ich brauche einfach einen Moment Ruhe, weniger Licht und Geräusche und Zeit für mich" - und genau das hilft dir dann auch?
    • Oder hast du überhaupt keinen Ansatzpunkt, wie du dir selbst zu helfen? Der Gedanke, dass dir geholfen werden kann, ist dabei vielleicht auch etwas unrealistisch?
  • Denke an Aktivitäten, die dir richtig Spaß machen. Könntest du dir vorstellen, genau das heute oder morgen zu machen? Oder weißt du eigentlich gar nicht (mehr), was dir Spaß bereitet?
  • Wie lange geht es dir wie jetzt gerade? Gab es Zeiten, in denen du stabiler warst - oder fühlst du dich schon immer so?

Wenn du auf Reize besonders intensiv reagierst, aber in dir noch Freude und Kreativität aufleuchten können, ist die Hochsensibilität eher wahrscheinlich.

Wenn hingegen nichts mehr wirkt - und du dich abgeschnitten fühlst und auch schöne Dinge dich nicht mehr erreichen, kann es sein, dass dein Körper in den Schutzmodus des Burnouts geschaltet hat.

Fazit

Hochsensibilität bedeutet: dein Nervensystem nimmt mehr wahr.

Burnout bedeutet: dein Nervensystem hat zu viel ertragen.

Mein Tipp für dich:

Wenn du dir unsicher bist, was bei dir gerade wirkt, sprich mit jemandem, der deine Sensibilität nicht wegreden möchte, sondern dich liebevoll konfrontiert, wenn es sich bei dir "um mehr als nur zu viel  fühlen" handelt.

In meiner Praxis unterstütze ich Menschen dabei, ihr Nervensystem zu verstehen, sich von verzerrten Selbstbildern zu lösen und einen gesunden, feinfühligen Umgang mit sich selbst zu finden - ob hochsensibel, überlastet oder beides. 

Hier geht's zur Sprechstunde für Hochsensibilität und Burnoutprävention:

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